
Eigentlich wollte ich drei herausragende Persönlichkeiten würdigen, die ein knappes Jahrzehnt der Premier Lague geprägt haben und eine Ära ihrer Klubs: Pep Guardiola, (Manchester City), Mohamed Salah und Andrew Robertson (beide FC Liverpool). Die Nachricht, dass Liga-Rekordspieler James Milner seine Karriere beendet, kam zu spät für eine Homage. Und dann trafen traurige Nachrichten ein.
Drei Legenden des FC Liverpool sind an Krebs erkrankt. Kevin Keegan, der auch für den Hamburger SV spielte. Sir Kenny Dalglish, der auf seinem Smartphone herumspielte und aus Versehen seine Erkrankung öffentlich machte. John Barnes, der von seinem Prostatakrebs erfuhr, als er sich auf Anraten seiner Söhne untersuchen ließ.
Aus Zeitgründen konnte ich auch auf ihr das Geschick nicht näher eingehen.
Pep Guardiola: Leidenschaft und Kalkül
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Guardiola und Klopp
Josep Guardiola gilt als der beste Trainer der Welt. Warum? Und wer bestimmt das eigentlich? Sein ewiger Rivale Jürgen Klopp hat es gesagt, und der Katalane Guardiola wird von Kollegen, von Spielern und Ex-Spielern in den höchsten Tönen besungen. Javier Cáceres nannte ihn in der SZ den „Revolutionär eines Sports, der keine Revolutionen kennt“.
Von zwei Mentoren lernte Pep am meisten. Von Johan Cruyff und Marcelo Bielsa. Vielleicht gibt es heute keinen anderen Trainer auf der Welt, der wie Guardiola das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Offensive so fein tariert. Es gubt erst recht niemanden, der seine Arbeit mit einer solchen Titelsammlung veredelt hat.
Ich habe immer zwei Versionen Guardiolas wahrgenommen. Den kühl kalkulierenden Strategen, der auf der Suche nach Perfektion mit dem Geld der Scheichs, der City-Eigner, alle Spieler kaufte, die er haben wollte. In der Transferphase im letzten Winter zum Beispiel Marc Guehi, den Kapitän von Crystal Palace. Was den Klub von Trainer Oliver Glasner entscheidend schwächte.
Und dann gibt es den emotionalen Guardiola, der ein ganz normales Punktspiel mit der Leidenschaft eines Hardcore-Fans verfolgt. Mal schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen, mal wirft er sich auf den Boden oder jubelt ausgelassen wie ein Kind. Für ihn hat der Fußball seinen Zauber nie verloren.
Für Guardiola, so dachte ich oft, ist Fußball ein 24-Stunden-Vergnügen. Manhmal habe ich mir vorgestellt, dass er abends im Bett, vor dem Einschlafen, zu seiner Frau sagt: „Sie haben Ihre ideale Schlafposition nich nicht erreicht. Rücken Sie bitte drei Zentimeter nach links.“ Dann erfuhr ich, dass das Paar seit drei Jahren getrennt lebt.
Aber als Fan muss man ihn einfach lieben. Als City-Fan sowieso. Ihre Abschiedsworte rührten Guardiola zu Tränen.
Mo Salah: Der Pharao
Anfield nahm Abschied von zwei Klubikonen:
Mo Salah war einer der Größten auch in der Geschichte der Premier League. Was war schon in jungen Jahren seine wichtigste Eigenschaft? Er zweifelte nie an sich und blieb auch im Zenit überaus ehrgeizig. Denn es dauerte, bis der Ägypter ankam. Von 2012 bis 2014 spielte er für den FC Basel; beim FC Chelsea wurde er nach 13 Premier League Spielen und zwei Toren für zu leicht befunden. Über die Stationen AC Florenz und AS Rom führte der Weg nach Liverpool - erst dort wurde er „The Egyptian King“.
Magie pur: Alle 257 Tore von Mo Salah für den FC Liverpool
Für seine Trainer war Salah eine Herausforderung, ein Spieler mit Gewicht und Macht. Dass Arne Slot Ende der abgelaufenen Saison trotz laufenden Vertrags in Liverpool entlassen wurde, lag auch an der Nummer 11. Er konnte in Slots System selten an seine gewohnten Leistungen anknüpfen und warf dem Trainer öffentlich vor, dass sein kontrollierter Spielstil Liverpools Identität zerstöre. Womit er auch an den Heavy-Metal-Fußball des verehrten Slot-Vorgängers Klopp erinnerte
Doch auch Klopp gestand, es sei nie leicht gewesen mit Salah.
Jürgen Klopp on Mo Salah leaving Liverpool and his legacy
Zu Salahs Verehrern gehörten vor allem die Trainer der Gegner. „Ich habe mit vielen Legenden gearbeitet“, sagt Carlo Ancelotti, „aber ich verspürte nie das Bedürfnis, mir von einem das Trikot zu holen. Nur bei Salah.“ Denn der sei sehr speziell gewesen: „Bei jedem Aufeinandertreffen hat er uns Probleme bereitet. Mit seiner Schnellingkeit, seinen Bewegungen, seiner Art, Defensivsysteme auszuhebeln und entscheidende Treffer zu erzielen. Du hast dich eine Woche lang auf ihn vorbereitet, und dann hat er dich doch bestraft. Ein Albtraum. Nach einem Spiel habe ich gedacht: Das Trikot brauche ich. Erst eines Tages wird der Fußball wirklich verstehen, wie besonders Salah war.“
„An absolute legend“, sagt Pep Guardiola über Salah:
Liverpool Fans verabschieden den „Pharao“, wie Salah oft genannt wird, mit wehmütigen Worten:
Andy Robertson: Nur Klopp wollte ihn
Andy Robertson war neun Jahre lang Liverpools perpetuum mobile auf der linken Seite, meist im dualen Einvernehmen mit Angreifer Sadio Mané. José Mourinho, mit diversen Klubs Gegner des FC Liverpool, träumt noch heute von Robertson: „Es ermüdet mich. Ich sehe Robertson immer noch die Linie rauf und runterflitzen. Ich hatte den Eindruck, der macht jede Minute einen hundert-Mater-Sprint.“
Nun führt „Robbo“ die schottische Nationalmannschaft als Kapitän zur WM 2026. Mitte 2017 jedoch konnte das keiner ahnen, am wenigsten er selbst. Er war gerade mit Hull City aus der Premier League abgestiegen. Nur einer griff zum Telefon, um ihn zu verpflichten: Jürgen Klopp. Was sah er ihn Robertson, was andere nicht erkannten?
„Hi Andy, du sollst wissen, wie stolz wir auf dich sind und auf alles, was du in Liverpool erreicht hast. Auch wenn nun ein Kapitel endet, können wir kaum erwarten, was uns die Zukunft bringt. Du bedeutest für uns die Welt.“ Mit diesen Worten berührte Ehefrau Rachel ihren Mann, und mit einem Video, das von ihr und den Kindern produziert wurde: „Daddy, oh daddy“:
Robertson verkörperte wie kaum ein anderer die Kultur, die Klopp in Liverpool schuf. In einer verschworenen Gemeinschaft war er oft der Gute-Laune-Bär, aber vor allem ein „Mentalitäts-Monster“ (Klopp). Erst mit seinem Einsatz, seinen Leistungen und seiner Identifikation mit dem Verein wurde er zu einem enorm wichtigen Baustein der großen Liverpooler Erfolge und zur Legende in einem an Legenden nicht armen Klub.
Andy Robertson hilarious moments on camera
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