Es ist kein Zufall, dass Fußball auch Rasenschach genannt wird. Liegt es daran, dass immer mehr Fußballstars dem Spiel der Könige verfallen? Mo Salah, Christian Pulisic, Martin Ødegaard, Trent Alexander-Arnold gehören dazu.

Erling Haaland von Manchester City investierte über sein Unternehmen Chessmates 25 % in die Organisation Norway Chess und deren neue Total Chess World Championship Tour investiert; die ab 2027 geplante Tour bietet 2,7 Millionen Dollar Preisgeld bieten. Haaland will mit seiner Investition vor allem junge Menschen für das alte Spiel begeistern.

Mo Salah vom FC Liverpool bekennt: „Ich bin süchtig, spiele buchstäblich jeden Tag.“ Blitzschach. Nicht am realen Brett natürlich, sondern online, mit einem anonymisierten Profil. Gegen Schachspieler aus aller Welt. Die weltweit größte Schach-Community CHESS.com zählt über 250 Millionen Mitglieder. Salah schätzt sein Niveau auf eine Online-Elo-Zahl von etwa 1400 ein, gutes Amateurniveau. Er bezeichnet Großmeister und Ex-Weltmister Magnus Carlsen als sein Idol träumt von einer Partie gegen den Norweger.

Salah spielt gegen seine Tochter

Der US-Amerikaner Christian Pulisic, vor Jahren bei Borussia Dortmnd aktiv und nun beim AC Mailand unter Vertrag, hat sich eine Schach-Dame auf seinen Arm tätowieren lassen, zu Ehren seines Großvaters, von dem er schon als Kind das Spiel lernte.  Seit Haalands Investition werden immer mehr Spieler bekannt, die schon lange und begeistert Schach spielen. Frankreichs Weltmeister Antoine Griezmann ist einer von ihnen; Eberechi Eze vom FC Arsenal gewann im vergangenen Jahr ein Amateurturnier.

Auch die Superstars Lionel Messi und Cristianol Ronaldo wurden schon öfter beim Schachspielen gesichtet. „Mir hilft das Spiel, mich zu entspannen und gleichzeitig geistig fit zu bleiben“, sagt Messi. Ronaldo sieht Ähnlichkeiten zwischen seiner Spielweise und Schach: fokussiert, kalkulierend, stets auf den Sieg ausgerichtet und eine perfekte Ergänzung zu seinem körperlichen Training. Für Harry Kane ist Schach das ideale Medium, sich in der knappen Freizeit zu entspannen, weil er temporär mentalen Abstand vom Fußball gewinnt.

Schon in der Vergangenheit gab es Fußballer, die gerne Bauern und Läufer, Pferde und Türme und gerne auch eine Dame über das Spielfeld bewegten. Felix Magath war einer von ihnen; schon als Spieler Stratege, als Trainer erst recht. Auf den ersten Blick scheint die kontemplative, kopflastige Natur des Schachspiels in starkem Gegensatz zu stehen zum physischen, aggressiven Fußballspiel. Schach bedeutet, immer mindestens einen Zug im Voraus zu planen. Und spätestens hier kommt Pep Guardiola ins Spiel, der Chef-Stratege. Im Buch „Pep Confidential“ („Pep vertraulich“) sagt der Manager von Manchester City: „Ihr habt keine Ahnung, wie ähnlich Schach und Fußball sind.“  

Nicht nur Guardiola versucht, das Spiel so berechenbar wie möglich zu machen. Ist das auch ein Grund, warum der moderne Fußball so oft in Ballbesitz und Kontrolle erstarrt? Dass kaum noch Raum bleibt für Anarchie und Intuition, die das Spiel für uns Fans erst so faszinierend gestalten?

Pep Guardiola und Magnus Carlsen (Foto: Puma)

Quellen: Bangkok Post, Times Now, Chessbase, Schach Nachrichten, Perlen vom Bodensee
https://www.bangkokpost.com/sports/3227733/mind-games-how-football-stars-are-fuelling-chess-boom
https://www.chess.com/de/news/view/fussballstar-salah-grosser-schachfan-wie-viele-seiner-kollegen