
Man könnte es eine Obsession nennen, doch das trifft es nicht. Denn Thomas Damerow lebt seine Leidenschaft entspannt, nicht verbissen. Ehrgeizig, aber liebevoll. Tommy arbeitet als Filmemacher und Autor seit den 1990er-Jahren für RTL, spezialisiert auf Sport-Trailer und Promo-Kampagnen. Und da er auch für die RTL-Tele-Kicker aktiv und bei vielen Champions-League-Übertragungen involviert war, lernte er viele Fußball-Größen näher kennen. Und bekam ihre Trikots, signiert natürlich.
Tommy und ich sind seit Langem befreundet, haben uns über den Beruf und den Fußball kennengelernt. Ich sah, wie Tommys Sammlung wuchs und wuchs in seiner Düsseldorfer Altbauwohnung, seiner Wohlfühloase. Mittlerweile dürften es einige hundert Trikots sein.

Der Zehner in zehn Antworten darüber …
… wie alles anfing:
Als E-Jugendlicher beim Düsseldorfer SC 99 spielte ich von Beginn an halblinks. Ich war zehn, und das war die Position der Rückennummer 10. Noch Fragen?
… wie ihm die Liebe zu Schalke 04 vererbt wurde:
Mein Vater Hellmuth, Jahrgang 1913, wurde auf Schalke geboren. Er trainierte selbst noch mit den Schalker Größen, kannte alle. Als er später meinen Bruder Michaelo und mich trainierte, war ich sein Ernst Kuzorra und Michi sein Szepan. Einmal Schalker, immer Schalker. Irgendwann schenkte er mir die ersten Trikots. Von Schalkern natürlich, Friedel Rausch oder Günter Herrmann.“



… was ihn mit Spielmachern verbindet:
Es war immer meine Position, deshalb fühlte ich mich den Zehnern besonders verbunden. Vor allem denen, die Linksfüßer waren wie ich: Overath, Rivelino, Gerson, Maradona. Mein absoluter Lieblingsspieler war „Flocke“ Flohe.
… über Heinz Flohe:
Ich sah ihn zum ersten Mal durch die Gitterstäbe am Ende einer hohen Treppe, in einem Schwimmbad neben dem Düsseldorfer Rheinstadion. So konnte ich einen Teil des Spielfelds sehen, beim berühmten DFB-Pokalendspiel 1973 zwischen Köln und Mönchengladbach. Mit Overath, Neumann und Netzer, der sich selbst einwechselte. Aber mir imponierte Flohe am meisten. Franz Beckenbauer nannte ihn den technisch besten deutschen Fußballer. Ich fand Flocke auch als Typ immer cool, in seinem Aussehen, mit seiner wortkargen Art. Später hat seine Frau Ulla mal gesagt: „Ihr könntet Brüder sein.“
Irgendwann war ich einfach mal zu Flockes Haus nach Euskirchen gefahren, um mir ein Trikot unterschreiben zu lassen. Er kam gerade mit seinem Mercedes Cabrio an, mit dem Nummernschild EU – F1008. Im November 1976 hatte Heinz gegen die Tschechoslowakei das 1000. Tor der deutschen Nationalmannschaft geschossen; die 8 war seine Trikotnummer beim 1. FC Köln. Die behielt er auch nach dem Rücktritt Wolfgang Overaths, der stets die 10 getragen hatte. Heinz und ich wurden enge Freunde, ich war auch bei ihm im Krankenhaus, als er im Koma lag.“




… wie er Günter Netzer bei den Tele-Kickern kennenlernte:
Günter Netzer war auch einer meiner großen Helden. Er war auf eine andere Art cool als Flohe. Wir spielten in einem Wohltätigkeitsspiel zusammen für die RTL-Mannschaft. Das ist dann sofort eine andere Art Kontakt. Nach dem Spiel hat Günter mir sein Trikot gegeben. Wir sind noch heute befreundet. Er selbst hat übrigens nie Trikots gesammelt.



… warum Bernd Schuster nicht amüsiert war:
Auch mit Bernd habe ich für RTL zusammengespielt. Wir saßen vorher in der Kabine nebeneinander. Ich trug die 10 und schaute auf seinen Rücken, er trug die 11. „Dann kann ich dich ja gleich schön schicken“, habe ich gesagt. Aber mein Humor war nicht seiner.
… wann er alles vergessen kann:
Fußball zu spielen war immer meine Nr. 1. Ich bin als Straßenfußballer aufgewachsen. Wenn ich selbst spielte, vergaß ich Schalke und die Trikots.

… warum er Franz Beckenbauer schätzte:
Ich kann nur sagen, was so viele sagen: Franz war einmalig. Ich lernte ihn kennen, als RTL die Rechte an der Champions League hatte und Franz als Experte neben Moderator Günter Jauch im Einsatz war. Franz hatte überhaupt keine Allüren, war höflich und herzlich. Eines Tages hat er mir ein Trikot mit Unterschrift versprochen. Bei einem Spiel in München verfehlten wir uns erst, dann hörte ich ein „Da bist du ja!“, und er gab mir das Trikot.

… wie seine Liebe zur 10 originelle Reaktionen förderte:
Stefan Effenberg lud mich zu seinem Abschiedsspiel ein, ich saß in Reihe 10 auf Platz 10. Effe hat Verständnis für Zehner😊. Als Toni Schumacher mir sein gelbes Nationalelf-Trikot unterschrieb, malte er erst einmal eine Null: „Nur die Eins wäre ja zu wenig.“

… wie seine Trikot-Vitrine einen Fotowettbewerb gewann:
Eine Kollegin meiner Frau Sabine nahm an einem Fotowettbewerb teil, der die originellsten Kleiderschränke samt Inhalt zum Thema hatte. Sie kam zu uns nach Hause, um Sabines Kleiderschrank zu fotografieren. Dann sah sie die Vitrine mit meinen Trikots, die sie auch fotografieren wollte. Das Bild hat dann den Fotowettbewerb gewonnen!

Mitglieder-Diskussion